
Neben Cognac, Armagnac und Calvados hat sich mittlerweile auch Whisky in Frankreich als Digestif etabliert. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass immer mehr französische Erzeuger auf dem Markt sind. Auswahl und Qualität können sich sehen lassen, auch als Mitbringsel ist „Whisky made in France“ bestens geeignet.
Bild (ej): Frankreich ein Whiskyland: Armorik aus der Bretagne, Uberach aus dem Elsass. In Paris bietet das Maison du Whisky einen Überblick über das Angebot.
Verantwortlich für den Aufholbedarf der Grande Nation in Sachen Whisky ist niemand geringerer als der Sonnenkönig Ludwig XIV. Er untersagte seinerzeit das Destillieren von Getreide, um den Weinbau zu unterstützen. Heute kann das traditionelle Weinland besonders bei der Whisky-Reifung punkten. Durch den Kontakt mit dem Holz der Fässer entwickelt die Spirituose Aroma und Struktur, wobei Fassart, Fassalter und Reifeklima relevant sind. Ein neues Eichenfass sorgt für holzige oder würzige Noten, ein Sherryfass gibt Anklänge von Leder oder Karamell weiter. Fässer, in denen zuvor Wein, Cognac, Calvados oder Armagnac gelagert wurden, sorgen ebenfalls für einen speziellen Whiskygeschmack.
Harmonische Sorten mit zarten Noten bieten etwa die Brennereien Bellevoye und Le Breuil an – die ideale Wahl, um Einsteiger-Gaumen in diese Welt einzuführen. Le Breuil kommt aus der Normandie, Bellevoye lässt im Norden, im Elsass und in der Charente produzieren, das Blending (der Verschnitt) der drei Single Malts erfolgt in der Charente. Wer kräftigere Aromen liebt, ist mit torfigem Whisky gut beraten. Die Destillate von Rozelieures (einem Familienunternehmen mit Sitz in Lothringen) sind für ihr intensives Geschmackserlebnis bekannt, perfekt für fortgeschrittene Whisky-LiebhaberInnen. Das Haus Rozelieures veranstaltet regelmäßig Whisky-Workshops und Führungen durch Produktions- und Reifungsanlagen.
Die Brennerei Bertrand aus dem Elsass lässt ihren Whisky u.a. in Fässern aus dem Jura und dem Rhone-Tal reifen und bietet für Gerstensaft-Fans auch „Biersky“ an, das Verkaufslokal befindet sich in Uberach. Von der Atlantikküste kommt Armorik, das Destillat wird vom Whisky-Pionier Warenghem in Lannion gebrannt und abgefüllt. Neben Kellermeister-Führungen mit Information über die keltisch-bretonische Tradition werden auch Verschnitt-Kurse angeboten. In der Hauptstadt kann man sich zum Beispiel in den drei Filialen des Maison du Whisky einen guten Überblick über das französische Angebot an Hochprozentigem verschaffen, auch internationale Spezialitäten können hier verkostet werden.