
Für Architektur-Interessierte ist die Adresse 4 Villa Seurat im 14. Arrondissement ein unbedingtes Muss. Architekt André Lurçat entwarf dieses Haus für seinen Bruder, den Künstler Jean Lurçat. Es entstand 1925 und steht heute im Eigentum der Académie des beaux-arts, deren ExpertInnen den Originalzustand in mühevoller Kleinarbeit wiederhergestellt haben.
BesucherInnen können das Juwel der Moderne nur gegen Voranmeldung im Rahmen einer Führung in Kleingruppen besichtigen.
Bild (ej): Besuchergruppe vor dem weißen Wohnhaus-Atelier-Gebäude in der Sackgasse Seurat
Was erwartet Architektur-Fans dort? Eine kleine Villa im Bauhaus-Stil am Beginn einer idyllischen Sackgasse, in der sich weitere sehenswerte Künstler-Ateliers befinden. Das Anwesen beherbergt heute eine Buchhandlung, die gleichzeitig als Besucher-Eingang fungiert, eine Schleuse, wo Schuh-Überzieher zur Verfügung gestellt werden und natürlich die Wohn- und Arbeitsräume mit Möbeln, Tapisserien, Keramiken – alles Werke Lurçats und seines Kreises. Dadurch wird der Geist der Epoche in den Räumlichkeiten unmittelbar spürbar.


Jean Lurçat (1892 – 1966) war selbst als Maler, Zeichner, Grafiker und Keramiker tätig, aber besonders geschätzt werden seine Tapisserien. Die ersten Entwürfe wurden von Lurçats Mutter und seiner ersten Frau, Marthe Hennebert, realisiert, später von den renommierten Manufakturen Aubusson und den Gobelins. Der Künstler bereiste Europa, Nordafrika, China und hegte Sympathien für die Sowjetunion. In New York stellte er u.a. mit Matisse, Picasso und Braque aus.
Der Zweite Weltkrieg führte Lurçat in die Résistance, sein Adoptivsohn Victor wurde wegen Widerstands gegen das Nazi-Regime im KZ Flossenbürg gefoltert und ermordet. Der Junge war der Sohn seiner zweiten Ehefrau, der russischen Bildhauerin Roseanne Thimotee. 1956 ehelichte Jean Lurçat dann Simone Selves, mit der er in der Résistance zusammengearbeitet hatte. Nur zehn Jahre später verstarb Lurçat, seine Witwe Simone vermachte das Atelier-Wohnhaus 2009 der Académie des beaux-arts.
Treffpunkt für Führungen in der Buchhandlung am Eck, 101 rue de la Tombe-Issoire
Erreichbarkeit: z. B.: Métro M4, Station Alésia
Quelle: Académie des beaux-arts