Eine sehr sorgfältig kuratierte Ausstellung geht ihrem Ende zu: Im Napoleon-Trakt des Louvre werden die beiden Großmeister Michelangelo Buonarotti und Auguste Rodin einander gegenübergestellt. Zu sehen ist die großartige Schau nur noch bis 20. Juli.
Achtung bei der Ticket-Bestellung, man muss für die Sonderausstellung „Michel-Ange Rodin, Corps vivants“ reservieren, nicht für die permanente Sammlung.
Bild (ej): „Der sterbende Sklave“ von Michelangelo

400 Jahre liegen zwischen den beiden Künstlern. Wie groß der Einfluss des italienischen Genies (1475 – 1564) auf Rodin (1840 – 1917) und viele seiner Kollegen war, dokumentiert diese Ausstellung eindrucksvoll. Es eint sie das Streben, den menschlichen Körper nicht als bloße Form, sondern als Ausdruck des Lebens darzustellen.
Die 200 gezeigten Exponate stammen zum Großteil aus den Beständen des Louvre und aus dem Pariser Rodin-Museum. Gleich zu Beginn werden die BesucherInnen mit Hauptwerken der beiden Künstler bekannt gemacht. Michelangelos Skulptur „Sklave“ aus weißem Marmor, schlafend, vielleicht sogar sterbend, beeindruckt durch einen jungen, muskulösen Körper, Kopf und Augen hingegen erscheinen müde, die rechte Hand zu schwach, um sich von Binden zu lösen. In Stein gemeißelte Einheit von Körper und Geist.
Gleich daneben – einen Bogen zur Renaissance spannend – Rodins Skulptur „Das Eherne Zeitalter“: Sie zeigt einen jungen Mann in der Blüte des Lebens, Muskeln und Sehnen fein und realistisch modelliert. Eine Formensprache, die bei der Präsentation des Werks für einen Skandal sorgte.

Auch das berühmte Gemälde, das Michelangelo in seinem Atelier zeigt, auf den Besuch des Papstes wartend, ist zu sehen (Alexandre Cabanel, Musée Fabre, Montpellier), ebenso wie Rodins umstrittene Darstellungen des Dichters Balzac. Zahlreiche Rötelzeichnungen und Skizzen der beiden Künstler ermöglichen interessante Einblicke in das Schaffen.
Zum Abschluss wird es handwerklich: Die unterschiedlichen Bildhauer-Techniken von Michelangelo und Rodin werden beschrieben und mit Werkstücken und Werkzeugen veranschaulicht.
Bild (ej): Abguss der Hand Rodins aus der ein weiblicher Körper „wächst“
Erreichbarkeit: z. B.: Métro M1, Station Palais Royal Musée du Louvre
Quelle: Louvre