Der Fotograf Kazuo Kitai zeigt mit seinen Fotos unbekannte Facetten Japans. Nicht die großen, historischen Ereignisse, sondern der Alltag und die Sorgen der „kleinen“ Leute sind seit 60 Jahren sein Thema. Rebellen und Unangepasste lagen dem heute 82-Jährigen besonders am Herzen.
Das japanische Kulturinstitut in Paris (MCJP) ehrt ihn mit einer Ausstellung (bis 25. Juli), die außergewöhnliche Einblicke, besonders in das Japan der 60er und 70er Jahre, gewährt.
Bild (MCJP): Stummer Protest von Kindern gegen den Bau eines Flughafens (1970). Retrospektive Kazuo Kitai bis 25. Juli im MCJP

130 Schwarz-Weiß-Fotos umfasst diese Retrospektive, übrigens die erste außerhalb Japans. Der Künstler öffnete dafür auch sein eigenes Archiv und reiste zur Eröffnung in die französische Hauptstadt. Was die Arbeiten von Kazuo Kitai so außergewöhnlich macht, ist die Tatsache, dass es nie seine Absicht war, zum Chronisten Japans zu werden. Er verstand sich auch nicht als Pressefotograf.
Seine Aufnahmen zeigen unspektakuläre Szenen, deren Poesie den Betrachter unweigerlich in ihren Bann zieht. 1968 lebte der Fotograf mit jenen Studierenden, die sich für die Demokratisierung der Universitäten Japans einsetzten, er begleitete den Widerstand gegen die Präsenz eines US-Atom-U-Bootes und zeigte den hartnäckigen Protest der Bauern (1969 – 1972), auf deren Land der Narita Flughafen entstehen sollte. Kazuo Kitai ermöglicht mit seinen Bildern zudem rare Blicke auf das ländliche Japan, weitab von gängigen Klischees und hektischen Großstädten.
In jüngster Zeit beschäftigt sich der Künstler wieder vermehrt mit seinem Jugendwerk. Er übertitelt das Zerreißen, Wiederzusammensetzen und Übermalen seiner frühen Fotos mit „Iroha“ (entspricht „ABC“) – ein Neubeginn am Lebensende.
Maison de la culture du Japon à Paris
Erreichbarkeit: z. B. Métro M6, Station Bir Hakeim
Quellen: MCJP, Wikipedia