Prachtvolle Salons, durchweht vom Geist der ehemaligen Eigentümerin, die einen unglaublichen Aufstieg geschafft hat: Das Hôtel de la Païva an der Avenue des Champs Élysées ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Aktueller Eigentümer des Gebäudes ist der exklusive Travellers Club. Nur an einigen wenigen Samstagen im Jahr gibt es öffentliche Führungen, man sollte sich also frühzeitig um Tickets kümmern.

Gleich im Foyer des Hauses wird klar, wer dieses Gebäude geschaffen hat, liebte Luxus. Der prachtvolle Treppenaufgang ist aus gelbem Onyx gefertigt, Seidentapeten und Intarsien zieren die Wände der Salons, an den Decken frivole Gemälde und Fresken, Aktskulpturen an den Kaminen, eine Badewanne aus Silber – sogar für das boomende Paris des Jahres 1865 war dieser überbordende Prunk etwas Außergewöhnliches. Esther Lachmann hat das kleine Palais – damals noch im Grünen gelegen – als Monument ihres Erfolgs bauen lassen. Und zwar an genau jener Stelle, wo sie als junge Prostituierte von einem Freier aus seiner Kutsche geworfen wurde.
Jahre zuvor war sie auf einer abenteuerlichen Reise von Russland, wahrscheinlich über die Türkei, nach Paris gelangt. Auf der Suche nach einem mondänen Leben ließ sie ihren (aus Frankreich stammenden) Mann, einen bescheidenen Schneider, und den kleinen Sohn im Zarenreich zurück. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie in der französischen Hauptstadt als Prostituierte im Loretto-Viertel.
Foto (ej): Onyx aus Algerien im Foyer
Schnell avancierte sie zur „Lionne“, so nannte man Kurtisanen, deren Körper nicht gegen Geld, sondern gegen Diamanten, Schmuck und Immobilien zu haben war. Aus Esther wurde Thérèse und immer wieder verfielen ihr wohlhabende Männer, der Pianist Henri Herz war einer von ihnen. Er führte sie in die Welt der Musiker und Künstler ein, sein Vermögen sicherte ihr ein Leben in Saus und Braus. Thérèse zählte zu den elegantesten Damen von Paris, der Zutritt zur „guten“ Gesellschaft blieb ihr allerdings verwehrt. Auch ihr neuer Vorname Blanche änderte nichts daran. Als Herz eine Konzertreise in die USA unternahm, setzte seine Familie die kostspielige Geliebte auf die Straße. Sie ehelichte sodann einen portugiesischen Marquis namens Païva, den sie gleich nach erfolgter Eheschließung in seine Heimat zurückschickte, Blanche behielt Haus und Titel.
Ihr Meisterstück gelang mit der Eroberung eines der wohlhabendsten Erben Deutschlands, Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck. Er stellte die Millionen für den Prachtbau an der Avenue des Champs Élysées bereit, schenkte ihr Schlösser und Juwelen. Ihre Ehe mit dem portugiesischen Marquis ließ sie annullieren, der enttäuschte Mann begann ein Jahr danach Selbstmord. La Païva aber war nun frei für ihren geliebten Grafen, den sie 1871 in einer protestantischen Kirche in Paris heiratete.
Mit dem Ende des deutsch-französischen Kriegs versuchte sie in der Politik mitzumischen, was damit endete, dass sie als Spionin des Landes verwiesen wurde. Pauline, wie sie sich mittlerweile nannte, zog sich mit ihrem Mann auf das schlesische Schloss Neudeck zurück, wo sie 1884 starb. Guido soll sie einbalsamiert in einem Glassarg im Schloss aufgebahrt haben. Erst seine zweite Frau konnte ihn überreden, die sagenumwobene Angebetete beerdigen zu lassen.
Foto (ej): Lionnes/Löwinnen, die Wahrzeichen der La Païva

Erreichbaarkeit: z.B.: Métro M1, Station Franklin Roosevelt
Quellen: Wikipedia, Geführter Besuch