Impressionistische Frauenpower steht im Fokus von zwei parallel laufenden Ausstellungen: Eva Gonzalès im Petit Palais (bis 24. Jänner) und Mary Cassatt im Musée d’Orsay (bis 31. Jänner). Die Französin und die US-Amerikanerin haben vieles gemeinsam: Beide nahmen Unterricht bei Charles Chaplin, einem Maler und Privatlehrer, der damals viele Mädchen in die Malkunst einführte, denn die Akademien nahmen ausschließlich Männer auf. Beiden Talenten standen wichtige Impressionisten zur Seite, die ihre Arbeit förderten und beide schafften es, im Rahmen der offiziellen Pariser Salons auszustellen, wo Frauen kaum vertreten waren.
Eva Gonzalès (1847 – 1883) war die einzige Schülerin von Édouard Manet, der ihr Werk stark prägte. „L‘Enfant de troupe“ (Der Hornist), eines ihrer bekanntesten Bilder, ist einem Motiv Manets nachempfunden („Le Fifre“/Der Pfeifer). Sie saß ihrem Meister auch Modell und lernte über sein Atelier ihren späteren Ehemann Henri Guérard, einen Kupferstecher, kennen.
Kurz nach der Geburt des ersten Kindes starb Eva Gonzalès am 5. Mai 1883 mit nur 36 Jahren an einer Embolie. Fünf Tage zuvor war ihr Mentor Manet an den Folgen einer Beinamputation verstorben. Im Petit Palais dokumentieren nun etwa 100 Werke Leben und Arbeit der Malerin.
Bild (ej): Eines der bekanntesten Bilder der Ausstellung im Petit Palais stammt von Édouard Manet und zeigt Eva Gonzalès malend. Er präsentierte es im Salon von 1870, in jenem Jahr war seine Schülerin erstmals selbst mit einem Bild vertreten.

Mit einer Ausstellung von rund 80 Gemälden und Druckgrafiken ehrt das Musée d’Orsay Mary Cassatt (1844 – 1926). „Die Unabhängige“ ist der Titel der Schau über die vor 100 Jahren verstorbene US-Amerikanerin. Berühmt machten sie ihre Porträtkunst sowie zahlreiche Darstellungen des Motivs Mutter mit Kind.

Mary dokumentierte mit ihren Bildern darüber hinaus den Wandel der Pariser Gesellschaft: Sie malte selbstbewusste Frauen, die ohne männliche Begleitung am gesellschaftlichen Leben teilnahmen, wie Theaterbesucherinnen in ihren Logen.
Der Realist Edgar Degas sorgte damals mit seiner Faszination für die Welt des Balletts für Kontroversen und er führte die Amerikanerin in den Impressionisten-Zirkel ein. Wir „fühlen gleich“, beschrieb er ihre lebenslange Freundschaft. Sie waren Nachbarn in der Rue Victor Massé, wo sich Mary niederließ, nachdem sie Europa bereist und die Alten Meister vor Ort studiert hatte.
Obwohl die Malerin sechs Jahrzehnte in Frankreich lebte, konnte sie sich auch in ihrer alten Heimat etablieren. Dort war Mary immer wieder als Konsulentin tätig und begleitete den Aufbau großer Kunstsammlungen.
Bild (ej): Neben dem Mutter-mit-Kind-Motiv zählten selbstbewusste Frauen zu den Lieblingsmotiven der US-amerikanischen Malerin Mary Cassatt.
Quellen: Petit Palais, Musée d’Orsay